Computer-Thriller - Romane und Filme aus der Datenwelt

 

 

 

 

 

 

 

DatenKrimis

 

 

 

 


Florian Schiel

Bastard Assistant from Hell. (B. A. f. H.). Ein Anti-Idyll.

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Der deutsche Akademiker gilt als der humorloseste und trockenste auf der ganzen Welt. Zumindest aber für ein kleines technisches Institut scheint dies nicht zuzutreffen, denn dort treibt der Bastard Assistant from Hell, kurz B.A.f.H., sein Unwesen. So steht´s im Vorwort. Und weiter: Mit viel Sarkasmus und bösartigem Witz macht er seinem Chef, seinen Kollegen und nicht zuletzt seinen Studenten den sonst so beschaulichen akademischen Alltag zur privaten kleinen Hölle.

Das läßt sich unterschreiben. Der Mann hat sich´s heimelig gemacht an seiner Uni. Der B.A.f.H. ist ein absoluter Computer-Crack, Herr über den Institutsrechner und somit unentbehrlich. Hemmungslos schnüffelt er in anderer Leute E-Mails herum, schreibt sie um und betreibt obendrein in seinem Büro eine komplette Fälscherwerkstatt, in der er mittels PhotoShop Reisekostenabrechnungen zu eigenen Gunsten nach hoch oben aufrundet. Lästige Studenten hält er sich mit hoffnungslos unlösbaren Aufgaben vom Leibe. Seine Ruhe ist dem B.A.f.H. heilig. Ruhe, um z.B. ungestört darüber nachsinnen zu können, wie man einen aufdringlichen Dauerfaxer loswerden könnte. Die Lösung: Im Faxgerät eine Endlosschleife dunklen Papiers zusammenkleben, an die verhaßte Adresse schicken und das Ganze vergessen.

Was hier als Buch vorliegt, waren ursprünglich Florian Schiels wöchentliche Internet-Kolumnen, die inzwischen Kultstatus erlangt haben. Wer mit Computern auf Kriegsfuß steht, ist für diese Lektüre wohl nicht zu gewinnen. Alle Hacker und sonstigen Internet-Freaks aber dürften an dieser manchmal etwas pennälerhaft wirkenden Cyber-Cowboy-Attitüde ihre helle Freude haben.

Wir vergaßen zu erwähnen: Der B.A.f.H. erhielt noch einen Anruf eines gewissen Herrn Leitner. Der schäumte! Aus seinem Faxgerät waren 150 Meter schwarzes Papier gequollen. Leitner? Ein Blick in den Web-Server der Uni brachte traurige Gewißheit. LEITNER, Prof. Dr. F., Kanzler! Also, viel Glück weiterhin, B.A.f.H. --Ravi Unger

Kurzbeschreibung

Pflichtlektüre für Studenten und andere Uni-Wesen
Der deutsche Akademiker gilt als der humorloseste und trockenste der ganzen Welt. Zumindest für ein kleines technisches Institut scheint diese allgemeine Auffassung nicht zu stimmen, denn dort treibt der 'Bastard Assistant from Hell', kurz BAfH, sein Unwesen.
Mit viel Sarkasmus und bösartigem Witz macht er seinem Chef, seinen Kollegen und nicht zuletzt seinen Studenten das sonst so beschauliche akademische Alltagsleben zu einer privaten kleinen Hölle, in der nie etwas einfach erledigt wird, wenn es auch kompliziert geht, und kein Tag vergeht, ohne dass eine mittlere Katastrophe über den LEERstuhl hereinbricht. Dazu kommt noch, dass er das ganze Institut unerbittlich im Griff hält, weil nur er allein das Superuser-Passwort aller Institutsrechner kennt...
Ursprünglich als wöchentliche Kolumne im Internet konzipiert, hat sich der BAfH längst einen festen Platz in der deutschen Internet-Literatur erobert. Über das World-Wide-Web und über elektronische Mailing-Listen erhalten jede Woche Hunderte deutschsprachiger Hacker, Internet-Freaks, Studenten, Assistenten und Professoren die neuesten Abenteuer des BAfH.
Dieser Band enthält die ersten 7x7 Wochen des BAfH erstmals in gebundener Form.

Auszug aus Bastard Assistant from Hell. (B. A. f. H.).
Ein Anti-Idyll. von Florian Schiel. Copyright © 1997.
Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.


Beziehungskiste

[...]

Das Telefon klingelt. Schon wieder! Das ist jetzt das dritte Mal dieses Jahr!

Ausnahmsweise gehe ich ran. Ein User, genauer gesagt eine Userin, ist dran. "Ähm... meine Workstation gibt komische Töne von sich", sagt sie. Ich kenne die Stimme nicht. Offensichtlich ein Frischling. "Tatsächlich", sage ich beeindruckt. "Was denn für Töne? Singt sie klingonische Opern?" "Nein, nein. Es ist eher so ein... ein tiefes Rumpeln vermischt mit einem unregelmäßigen Leiern..." Meiner Meinung nach klingt das ziemlich nach klingonischer Oper! Ich frage nach dem Host-Namen und sie sagt ihn mir. Ein ziemlich frischer Frischling!

"Aha", sage ich. "Tiefes Rumpeln, meinen Sie? Schaut mir ganz nach einem leichten Virenbefall aus. Lassen Sie denn regelmäßig Viren-Checker drüberlaufen? Zum Beispiel 'Sagrotan', 'Cebion' oder 'Domestos III'." "Äh... nein. Nicht daß ich wüßte..." "Vorbeugen ist sehr wichtig", sage ich ernst. "Schauen wir mal, wie es mit dem Immunsysten steht. Geben Sie man den Befehl 'immun-system' ein." (klickediklackedi) "Ähm... 'immun-system not found' meldet er..." "Not found? Steht da wirklich 'not found'?" Ich lasse meine Stimme dramatisch ansteigen. "Das sieht ja ganz übel aus. Warum haben Sie nicht schon vorher angerufen..." "Ist das was Ernstes?" flüstert sie eingeschüchtert. "Ernstes? Hoffen wir, daß es noch nicht zu spät ist. Halten Sie mal den Telefonhörer ganz dicht ans Gehäuse, damit ich eine hypostatisch-akustische Ferndiagnose durchführen kann." "Ähm... ok", nuschelt sie und es raschelt im Hörer. "Äh... das Telefon reicht nicht bis zum Rechner..." "Dann sollten Sie den Rechner eben zum Telefon bringen", sage ich. Daß die Leute auch über keinen Funken logisches Denken verfügen! "Aber... muß ich dazu nicht vorher ausschalten?" "NEIN! Wissen Sie nicht, daß man vernetzte Rechner niemals einfach ausschalten darf?! Das ganze homophone Accelerator-Cluster kann desharmonisiert und retrogradient sub-stabil werden - und dann haben wir den Salat!" "Oh!..." IMPRESSION MODE ON "... ok, dann trage ich die Workstation jetzt hierher", sagt sie eingeschüchtert.

Ich starte rasch ein paar rechenintensive Jobs auf ihrem Host, die ständig auf die Platte zugreifen, in der Hoffnung, daß die Platte beim Rübertragen crashed. Aber leider sind die Platten auch nicht mehr das,was sie früher einmal waren: vor noch ein paar Jahren brauchte man so ein Winchester-Laufwerk nur schief anblicken und schon... zupf!

"Hallo?", meldet sie sich wieder. "Da sind so komische gelbe Kabel hinten festgemacht. Die reichen nicht bis zum Telefon...." "Das ist nur das Ethernet. Ziehen Sie sie einfach ab", sage ich. "Und alle anderen Kabel können Sie auch gleich abziehen. Aber passen Sie auf, daß das Stromkabel drin bleibt! Wir wollen doch nicht, daß Ihre Maschine abstürzt!"

Sie macht es! Ehrlich, manchmal frage ich mich, was Eltern ihren Sprößlingen eigentlich 18 Jahre lang beibringen!

"Der Schirm ist plötzlich dunkel geworden..." "Das macht nichts", erläutere ich. "Außerdem erleichtert das die hypostatisch-akustische Ferndiagnose, wenn der Schirm nicht mehr stört. Kommt der Hörer jetzt bis ans Gehäuse? Gut. Jetzt halten Sie die Sprechmuschel etwa drei Zentimeter unterhalb der Lüfteröffnung auf der Rückseite fest ans Gehäuse und dann warten Sie, bis es piepst." "Piepst?" "Genau."

Sie macht es!!! Ich lege den brummenden Hörer beiseite und gehe erstmal hinunter in die Cafete.

[...]

Partnerschaft (Kontakte)

[...]

Heute ist 'HH'-Day. Denn heute erscheint gewöhnlich 'Hacker's Havoc', die einzige wissenschaftliche Zeitschrift, die ich gründlich von vorne bis hinten durcharbeite. Eine ungemein anregende Lektüre!

Also gehe ich heute ausnahmsweise in höchsteigener Person zur Poststelle, um nach dem Verbleib von 'Hacker's Havoc' zu fanden.

Der Glaskasten der Poststelle ist leer; ebenso das Postfach für unseren LEERstuhl. Ich will gerade wieder verschwinden, als ich eine vergessene Faxvorlage im Auswurfschacht des Faxgeräts bemerke.

Es gibt immer noch Leute, die glauben, ein Faxgerät 'frißt' die Vorlage komplett auf, zerlegt sie in winzige Papierschnitzel und wandelt die Papierschnitzel in digitale Signale um, die bei der Empfangsstation wie durch ein Wunder wieder zusammengesetzt werden. Diese Leute beobachten mit höchster Befriedigung, wie das Faxgerät ihr Dokument 'frißt', dann schlendern sie glücklich zurück in ihr Büro und vergessen, daß ihre Faxvorlage auf der anderen Seite gleich wieder ausgespuckt wird.

Manchmal frage ich mich, wie diese Sorte von Leuten überleben kann.

Ich kannte sogar mal eine Studentin, die ihr Referat in einem Hauptseminar damit begann, daß sie ein Buch aufschlug und es mit der geöffneten Seite nach unten auf den Overhead-Projektor legte. Die Tatsache, daß die Leinwand selbstverständlich dunkel blieb, kommentierte sie mit dem überraschten Ausruf: "Aber das funktioniert ja gar nicht!"

Soviel technisches Unverständnis muß bestraft werden! Also nehme ich die vergessene Faxvorlage mit in mein Büro und fahre die Schutzschilde hoch.

Wie unschwer zu erkennen ist, handelt es sich um den Auftrag für eine private Kontaktanzeige in einer der größeren Tageszeitungen. Selbstverständlich mit Chiffre, wie es sich gehört. Man will ja nicht unbedingt das Opfer übler Scherze werden, nicht wahr? Absender ist ein Herr Alex Stölzle. Wie ich aus dem World-Wide-Web unschwer erfahren kann, handelt es sich um einen ziemlich jungen Spund, Dipl.-Ing. der Informationstechnik und frisch importiert von der Technischen Universität Stuttgart.

Die Anzeige lautet:

'Charm. ER, 31, 182, 73, Brtr., schl., ungeb., gefühlv., sens., rom., sportl., attr., NR, fin. unabh., su. liebev. SIE, 20-31, NR, bl., zw. gem. Freizeitgest., läng. Bez. erw., sp. Heir. mögl., Ki. ang., nur ernsth. Zuschr. u. Ch. 897453'

In seiner Beschreibung fehlt ganz offensichtlich noch ein 'extr. spars.' für 'extrem sparsam'. Ob es tatsächlich weibliche Wesen gibt, die auf so eine Anzeige antworten? Wahrscheinlich schaut eine Antwort dann ungefähr so aus:

'L. ER! Attr. SIE, 28, 164, 65 + m, 5 J., dklh., zierl., s. sprtl., naturl., intell., gepfl., anschmgs., unkompl., liebesbed., viels. interess., m. pherom. Ausstr., IQ 115, wün. mögl. bald. Treff. m. DIR, hff. auf bald. Antw. unt. Ch. 654355'

Ich überlege einen Augenblick, ob ich die Kontaktanzeige scannen und in den News-Groups alt.contacts.s/m.newcomer oder alt.sex.fetish.blonds posten soll. Aber das habe ich schon Dutzende Male gemacht - und es ödet mich an!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Taschenbuch # 281 Seiten - Goldmann # Mchn. # Erscheint:  2001 # ISBN: 3442451604