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Frank Stieper
Cybernet City
Kurzbeschreibung Es ist das Jahr 2089. Von Neugier und Unternehmungslust getrieben dringen Jana, Alexander und Mark in den Sicherheitsbereich eines stillgelegten Militärgeländes ein. Sie entdecken einen gigantischen Hochleistungsrechner. Beim Test stellen sie fest, dass er über unglaubliche Fähigkeiten verfügt. Mark loggt sich in CybernetCity, eine faszinierende virtuelle Welt, ein. Dabei gerät er in höchste Lebensgefahr. Die Betreiber von CybernetCity entdecken den Eindringling und schicken sofort einen Killer ins Netz, der Mark unschädlich machen soll. Denn niemand darf das tödliche Geheimnis von CybernetCity erfahren! Was für Mark als Spiel begonnen hat, wird zu einer dramatischen, atemberaubenden Jagd...
Auszeichnung Die besten 7 Bücher für junge Leser - Januar 2001 »... Eine atemberaubend spannende Geschichte aus einer nicht allzufernen Zeit ...« Die besten 7 Bücher werden monatlich im Auftrag des Deutschlandfunks und FOCUS von 26 Juroren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ermittelt.
Franken Fernsehen »Computer-Game-Freaks ab 12 werden ihre Freude an diesem modernen Abenteuerbuch haben.« www.frankenfernsehen.de ekz-Informationsdienst »... Stieper liefert eine wirklich atemberaubende Science-Fiction-Geschichte ähnlich wie im Film "Matrix", die den Leser von Anfang an fesselt und bis zum letzten Satz nicht loslässt. Spannung pur und zum Teil schweißige Hände zeugen von der Qualität der Story, die für SF-Fans ein Muss und auch allen anderen ans Herz zu legen ist.« Martin Weigert
Leseprobe aus CybernetCity (Manuskriptfassung) ... Der Regen prasselte unaufhörlich auf das metallene Dach des kleinen Wagens, bis der Himmel scheinbar vollends seine gesamten Wassermassen über diesen düsteren Stadtteil ausgeschüttet hat. In dieser jetzt nasskalten und sternenklaren Nacht parkt der antike Hoveroid Baujahr 2045 in einer schmalen dunklen Nebenstraße. Mark ist damit beschäftigt die Kanäle seines Autoradios abzuhorchen. Als er die Sonnenblende herunterklappt, um sich im Schminkspiegel zu betrachten sieht er nicht sein eigenes Gesicht, sondern das andere vom TSS generierte. Auch die Kleidung, die er trägt und die Gegenstände, die er bei sich hat, kennt er nicht. Mark lächelt und sagt: "Schönes Spielzeug." Eine Stimme, die irgendwo aus dem Wagen heraus zu ertönen scheint, lacht und bemerkt: "Für dich mein Freund, viel Glück." Alexander hat über ein Mikrofon in der Konsole mit Mark Kontakt aufgenommen. Mark lächelt und blickt dabei an die mit Parolen beschmierte und von der Straßenlaterne beleuchtete Hauswand, als er deuten kann, was ihm gerade so ungewöhnlich erschien. Ihm wird bewusst, dass er nicht selbst gesprochen hat, sondern sich nur fest vornahm seine letzte Äußerung auszusprechen. Anlass genug, herauszufinden, ob sich diese Art der Kommunikation zwischenzeitlich unterbinden lässt. Immerhin besitzt er ein paar Geheimnisse, die er ungern mit anderen und schon gar nicht unfreiwillig mit seinen Freunden teilen möchte. Mit den Augen öffnet Mark das Programmmenü. Eine transparente Folie mit der gleichen grafischen Darstellung einer Bedieneroberfläche der Konsole im Labor schiebt sich von rechts in sein Blickfeld und legt sich durchscheinend über die Szenerie. Und überall dort wo sein Blick auftrifft wird jeder graue Schalter auf dieser Oberfläche begleitet von einem pling farbig dargestellt. Die Koordination mit seinen Augen fällt ihm noch etwas schwer. Um seine Auswahl zu unterstreichen und auch wirklich den gewünschten Befehl auszuführen erleichtert er sich die Bedienung, indem er seinen Gedanken mit kurzem Kopfnicken Nachdruck verleiht. Und siehe da, es klappt. Er blickt auf den jetzt farbig hervorgehobenen Eintrag "Communication on" und schaltet ihn mit einem kurzen Kopfnicken aus. Auf dem Schalter steht jetzt "Communication off", der Kommunikationskanal zur Konsole ist nun unterbrochen. Mark will sicher gehen, dass diese Sicherheitsmaßnahme auch wirklich funktioniert. Er lächelt hämisch und denkt laut: "Alex, hör jetzt gut zu! Stefan sagte, dass du ein hitzköpfiger Idiot mit einer großen Klappe bist, stimmt das?" Ins Leere starrend verharrt er eine Weile und als sich nach Sekunden immer noch nichts rührt, lächelt er zufrieden auf. Sein Blick landet jetzt er auf den Close-Button. Mit einem kurzen Kopfnicken schließt er die Bedieneroberfläche. Erleichtert atmet er durch und nutzt diesen Augenblick der Einkehr, sich innerlich auf das Bevorstehende vorzubereiten. Dann fügt er noch hinzu: "Tut mir leid mein Freund, das musste sein. Zu meiner Sicherheit." Erst jetzt widmet er sich wieder seinem Radio. So sehr er auch die Radiostationen auf und ab horcht, in keinem der gesendeten Informationen ist der kleinste Hinweis enthalten, geschweige denn die Spur einer verschlüsselten Nachricht. Sollte er nicht Informationen erhalten? Gedankenversunken und mit der einzigen Frage beschäftigt, was er jetzt tun könnte, um das Geschehnis in Gang zu bringen, fährt er urplötzlich zusammen. Im Augenwinkel, hinter dem Seitenfenster taucht eine dicht behaarte und von Narben gepeinigte Fratze auf. Es scheint kalt zu sein, denn der Atem des Fremden dringt sichtbar durch den Spalt im Seitenfenster und hinterlässt im Rhythmus seiner ausgeatmeten Luft pulsierend eine kreisrunde beschlagene Stelle. Ein Penner, der bekleidet mit wollener Mütze und vom Überlebenskampf gezeichnetem Mantel wortlos eine mit Dreck verschmierte Hand hebt, gibt Mark zu verstehen, er solle die Scheibe ganz hinunterdrehen. Dann faltet er seine mit fingerlosen Handschuhen bekleideten Hände zusammen, um sich etwas Wärme zuzuhauchen. Marks Augen, besser gesagt, die des Avatars verraten seine pure Angst als der Mann laut ruft, als spräche er mit einem Schwerhörigen: "Hast du Platz in deinem Wagen? Mir ist kalt. Ich könnte mich einen Moment dazusetzen und dir Gesellschaft leisten? Ich werde still auf dem Beifahrersitz sitzen." "Natürlich nicht, ich bin doch nicht lebensmüde." denkt Mark. Zu seiner Verwunderung steht die ganze Szene plötzlich still. "Möchten Sie Informationen über Avatar Pedro Mendez?" Mark ist mehr als überrascht über diese abrupte Unterbrechung. Als würde er sich an diese scheinbar reale Welt und ihren außergewöhnlichen Eigenheiten noch anpassen müssen stottert er: "Äh, ja ... natürlich!" "Eingabe nicht bestätigt!" "Ja!" ruft der sonst eher ruhige Mark jetzt ungeduldig und sagt mehr zu sich selbst: "Stell dich nicht immer so kleinlich an!" "Avatar: Pedro Mendez, Name: Mendez, Pedro. Land: Mexiko. Beruf: Lagerarbeiter. Seit zehn Jahren Arbeitslos. Wohnort: nicht bekannt. Besonderheiten: keine. Ende. Möchten sie künftig zu jedem Avatar Informationen erhalten?" Mark will auf keinen Fall, wegen jeder Person, die er hier in der virtuellen Welt antrifft unterbrochen werden. Er weiß jetzt schon dass es auf die Dauer sehr nervend sein kann, deshalb antwortet er zur Freude des TSS mit einem klaren verständlichen: "Nein." "Eingabe bestätigt. Sie können jederzeit Informationen über Avatare abrufen. Wählen sie hierfür im Menü Avatare – Informationen." Im selben Moment hat das TSS die Szenerie wieder zum Leben erweckt. Obwohl der Penner nicht so aussieht, als könne er ihm gefährlich werden, zögert Mark. Außerdem findet er keinen akzeptablen Grund, weshalb er einem Landstreicher gestatten sollte, sich in seinem Wagen aufzuwärmen. Schon gar nicht in solch einer Gegend, wie dieser. Da fällt ihm wieder ein, was die Computerstimme zu Beginn der Simulation sagte. Wahrscheinlich ist Pedro derjenige, der ihm wichtige Informationen zu übergeben hat. Mark sieht wieder durch die Seitenscheibe, hinaus in das bärtige Gesicht des von der Straße gezeichneten Mannes, der immer noch auf eine Entscheidung Marks wartet und fröstelnd vor dem Wagen steht. Mark drückt den Knopf zum Herablassen der Seitenscheibe, als wäre er seit Jahren bereits mit der Bedienung dieses Wagens vertraut. "Na meinetwegen, steigen sie drüben ein." Mark bemerkt, dass der Penner nicht wie üblich Tüten oder sonstige Taschen mit seinem gesamten Hausrat bei sich trägt. Auch die Bewegung, mit der er den Weg zur Beifahrertür nimmt, wirkt nicht wie die eines von der Straße gezeichneten gebrechlichen Körpers. Mit einem leisen Zischlaut schließt sich langsam wieder die Beifahrertür, die sich wie eine Hälfte einer Fahrstuhltür eben erst auf einen Knopfdruck Marks öffnete. Während Pedro auf dem Beifahrersitz platz nimmt prüft Mark vorsichtig die Einstellung an seinem Laserstrike. Pedro starrt wortlos durch die mit haarfeinen Stahldrähten verstärkte Windschutzscheibe. Seine Augen verraten seine Nervosität. Pedro scheint nach einem Thema zu suchen, vielleicht um ein Gespräch in Gang zu bekommen oder um den Aufenthalt in diesem doch angenehm trockenem und warmen Wagen hinauszuzögern: "Mistwetter!" "Klar, über das Wetter reden, das hilft", denkt Mark. Dennoch wartet er ab, ohne weiter darauf zu reagieren. "Wenn es die nächste Zeit so bleibt, werde ich mir noch den Tod holen." Mark bemüht sich diese Äußerung gedanklich einzuordnen, als Pedro auch schon loshustet. Es scheint ihm nicht sonderlich gut zu gehen. Dem Geräusch seiner Lunge nach zu urteilen ist es mehr als nur eine banale Erkältung. Obwohl die Informationen ihm eindeutig mitgeteilt haben, dass es sich bei Pedro um einen Verbündeten handeln muss will Mark dennoch wachsam bleiben. Als wolle er jede von Pedros kleinste Regung analysieren starrt er wortlos zu seinem Beifahrer hinüber, bereit, bei der geringsten auffälligen Bewegung dieses Mannes eine recht überzeugende Antwort via Laserstrike parat zu haben. Jetzt erst dreht sich der Mexikaner zu Mark und sagt vorsichtig: "Du kannst deine Waffe ruhig wegstecken, ich werde dir nichts tun. Sieh mich an, ich bin nur ein kleiner unbedeutender Informant. Vielleicht sollte ich derjenige sein, der Angst hat." Dann sieht er wieder geradeaus. Jetzt allerdings erst bemerkt Mark, dass seine Blicke immer wieder nervös zwischen den beiden Rückspiegeln hin- und herspringen. "Du bist Mark, ein Cycohunter?" Mark nickt nur kurz. "Es gibt Anzeichen dafür, dass sich der Cyco im Waschington-Square-Park aufhält." Pedro sieht fast schon fürsorglich zu Mark hinüber, der wieder nur kurz bejahend nickt. Dann fährt er mit seiner Beschreibung fort: "Fahr diese Straße gerade aus, bis auf die West-Houston-Street. Folge der Hauptstraße rechts herum bis zum Father-Demo-Place. Du erkennst ihn an den Holoreklamen zwischen den Fahrspuren. Biege dort am Ende rechts ab. Die fünfte Straße auf der linken Seite führt dich direkt zum Washington-Square-Park. Du kannst ihn nicht verfehlen ..." Seine Wegbeschreibung wird jäh von einem weiteren, diesmal schlimmeren Hustenanfall unterbrochen. Er hält einige Sekunden die zur Faust geballte Hand an seinen Mund, bis er sichergehen kann, dass der nächste Atemzug in dieser warmen Innenraumluft nicht ein weiteres Hustengewitter entfacht. Obwohl es ihm jetzt um einiges schwerer fällt, spricht er weiter: "Du wirst es ist nicht leicht haben den Cyco zu eliminieren. Er ist in der Lage deine Gedanken zu lesen. Mit seiner Wissbegier dringt er bis tief in das Innerste deiner Seele vor und fordert dich damit heraus, wie ein Kind das mit einem Ball viel zu nah an einer viel befahrenen Straße spielt. Bevor jedoch dein Verstand das von ihm herausgeforderte Handeln erfasst hat, wird der Cyco längst entkommen sein. Hab nur Vertrauen zu dir selbst, dann hast du die Chance ihm zuvorzukommen. Vergiss das nicht, sonst bist du verloren ..." Wieder wird der arme Mann von seinem Leiden gequält. Er beugt sich aus Rücksicht mir gegenüber seiner Beifahrertür zu, als er plötzlich innehält. Er muss etwas im Seitenspiegel gesehen haben. War es das, was ihn zu Beunruhigen scheint? "Du solltest losfahren, ich muss gehen!" Mendez öffnet mit einem Ruck die Beifahrertür und eilt jetzt auffällig humpelnd der hell beleuchteten Hauptstraße entgegen. Zu Marks Verwunderung sucht er nicht in einem der Hauseingänge hier auf beiden Seiten der Straße Schutz sondern läuft fast schon absichtlich auf dem weiß markierten Mittelstreifen. Jetzt erst dreht Mark sich um und sieht in der nicht enden wollenden Dunkelheit dieser Seitenstraße den schemenhaften Umriss einer Person. Er ist überrascht: Die Gestalt sieht nicht besonders bedrohlich aus. Nicht so angsteinflößend, wie er es von Filmen dieser Art her kennt. Nein, fast schon gewöhnlich. Doch Mark muss seine Ansicht schnell korrigieren. Ein Strahl der in Bauchhöhe der dunklen Gestalt aus dem Dunkel herausleuchtet endet als rote Markierung genau auf dem Rücken des fliehenden Informanten. Mendez ist es, der von einem Zielstrahl erfasst wird. Als im selben Augenblick ein weißlichgelber Funken surrend an seinem Wagen vorbeizischt und zeitgleich mit einem schmerzerfüllten Aufschrei den wehrlosen Körper des Mexikaners zu durchbohren scheint. Mark ist zu sehr geschockt, als dass er realisieren kann, was hier vor sich geht. Während sich die Person im Dunklen bereits seinem Wagen nähert versucht Mark den Hoveroid in Gang zu bekommen. Doch es gelingt ihm nicht auf Anhieb. Er ist zu irritiert, um einen klaren Gedanken fassen zu können, geschweige denn ein Handeln zu überlegen, wie er sich aus dieser für ihn gefährlichen Lage retten könnte. "Dreckskiste!" entfährt es ihm voller Angst. "Ich muss ins Menü. Alex muss mich zurückholen. Sonst erledigt mich der Kerl."
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